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Veröffentlicht am Sonntag, 09. Oktober 2011 22:26
Paddeln in Russland auf der Velikaya im Juli 2011
von Dieter Tandler
Die Flüge Stuttgart – St.Petersburg waren gebucht und die Visa trafen rechtzeitig ein.
Am 7.Juli - einem Donnerstag - fahren Werner, Charlotte und Dieter früh zeitig per Auto
zum Flughafen, übergeben den Wagen einem Parkdienst und reihen sich in die lange
Schlange der Urlaubsreisenden. Das Groß-Gepäck der Familie Glaas ist verdächtig und wird
besonders kontrolliert. Air-Berlin bringt uns in 2 ½ Stunden ohne Bodensicht an das Ziel.
Beim Landeanflug sehen wir, wie die Stadt seit meinem letzten Besuch vor 15 Jahren stetig
wächst. Wälder von Baukränen errichten neue Satelliten-Städte mit meist hohen Wohnblocks.
Offiziell wohnen hier jetzt 4 Mio. Einwohner, manche schätzen 7 Mio. Entsprechend hat der
Straßenverkehr zugenommen.
Alexandra holt uns am Flughafen ab und bringt uns zum gemieteten Appartment in einem
Altbau in der Baskov-Str., aber modern eingerichtet. Wegen der Zeitverschiebung von 2 Std.
ist es schon später Nachmittag, bis wir alle Formalitäten erledigt und uns Geld besorgt haben
(1 € = 40 Rubel). Das schwühle Wetter macht müde. Wir kaufen unser Frühstück ein (die
Lebensmittel-Geschäfte haben bis spät in die Nacht geöffnet) und finden ein sehr nettes Eck-
Restaurant zum Ausklang des Tages.
Der 8. Juli begrüßt uns mit Sonne. Die Zeitverschiebung wird nur teilweise “gelebt”, denn
nach Ortszeit verschiebt sich scheinbar für alle der Tagesablauf nach hinten, alles geschieht
etwas später. -Wir 3 beschließen, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Zum Newski-Prospekt ist es
nur eine halbe Stunde. Wir erreichen ihn auf breiten und verkehrsreichen Straßen am
Moskauer Bahnhof, dem wichtigsten Bahnhof der Stadt. Er ist prächtig ausgestattet, und wir
sehen einen der “Russischen ICE”. Nach eingehender Besichtigung bummeln wir den
Newski-P. entlang in Richtung Newa. Dichter Verkehr von Menschen und Autos
kennzeichnen diese Prachtstraße. Nach dem Fontanka-Kanal, dem Puschkin-Theater, der
Rossi-Str. und dem Lomonosov-Platz legen wir eine Mittagspause im alten Handelshof ein.
Unser Versuch, eine geführte Busreise nach Nowgorod zu bekommen, läßt sich nicht
realisieren. So beschließen wir, eine Schiffsrundreise auf der Newa zu machen. Die
Informationen im Touristenbüro zwingen uns, ein Taxi zur Abfahrtstelle zu nehmen. Diese ist
jedoch wegen einer Baustelle geschlossen und zur Admiralität verlegt worden. Mit dem Taxi
dort angelangt ist der letzte Termin für die längere Fahrt verpaßt.. So buchen wir eine
Kurzreise rund um die Inselfestung “Peter und Paul” und zur “Aurora”, vorbei an den beiden
Rostral-Säulen auf der einen Seite und dem Winterpalast mit Admiralität auf der anderen. Ein
kurzes Gewitter bringt wohltuende Abkühlung. Das Abendessen nehmen wir an Deck eines
alten Segelschiffes vor der Admiralität ein. Trotz der späten Stunde laufen wir wohl gestärkt
bei Tageslicht -wir haben noch die weißen Nächte – nach Hause, entlang dem Newski-
Prospekt und dem Fontanka-Kanal. Den Tag lassen wir in einem zünftigen verräucherten
Bierhaus ausklingen.
Der Samstag (9.7.) beginnt wieder mit Sonnenschein. Um 13:30 sollen wir mit dem Auto
zum Witebsker Bahnhof gebracht werden. So bleibt noch Zeit für individuelle Wünsche.
Werner und Charlotte machen Shopping, Dieter erkundet den Osten von St.Petersburg. Er
bummelt durch den Taurischen (Tavrichevski) – Park zum gleichnamigen Palast. Hier findet
gerade ein internat. Medizinischer Kongress statt. Eintritt und Besichtigung dieses
geschichtsträchtigen Ortes ist nur für Teilnehmer möglich. Freundlicherweise bekomme ich
für 1 Std. Teilnehmer-Status. So kann ich ungehindert den Palast erkunden, den Katharina die
Große ihrem Favoriten schenkte, wo ab 1905 die ersten Parlaments-Sitzungen stattfanden und
wo Lenin 1917 sein 1. Hauptquartier aufschlug.
Von hier führt eine Paradestraße, vorbei an wuchtigen Verwaltungsblöcken aus sozialistischer
Zeit und vorbei am reizenden Kikin-Haus, direkt zum Smolny-Kloster. Die alles
beherrschende Kathedrale ist heute ein Museum und Konzertsaal. Es ist ein wunderschönes
Ensembel in weiß und blau, mit Park drumherum, direkt an der Newa gelegen. Es wird
eingerahmt von Universität und dem Smolny-Stadthaus (mit Monumental-Büsten von Marx,
Engels und Lenin im Park davor).
Pünktlich werden wir von Alexandra und Yuri zur Bahn gebracht. Ein Gepäckträger wuchtet
unser gewichtiges Gepäck auf den entfernten Bahnsteig und bis in das Abteil. Der Wagon mit
seinen 4-Bett-Abteilen ist durch die Sonne gut aufgeheizt, es gibt keine Klimatisierung und
die Fenster sind nicht zu öffnen. Jeder Wagen hat eine freundliche Schaffnerin, die die
Fahrkarten vor dem Einsteigen kontrolliert und einbehält. Sie verteilt Getränke und
Bettwäsche, denn der Zug ist 17 Std. bis nach Brest an der polnischen Grenze unterwegs.
Unsere Fahrt nach Novosokolniki dauert nur 6 Std.. Etwa alle 2 Std macht der Zug eine Pause
von ca. 20 Min..Dann strömen die Fahrgäste raus, vertreten sich die Beine und können
einkaufen zum Essen und Trinken, alles was die ländlichen Frauen aus ihren Körben anbieten:
Obst, Gemüse, Trockenfisch, gekochte Krebse, Gebäck, Getränke.
Sascha und Sergei erwarten uns am Zug, begrüßen uns herzlich mit Umarmungen und fahren
uns mit Ihrem Auto ca. 60 km zu unseren Startplatz für die Paddeltour im “Kamp Alol”.
Dieses Ferienlager aus sozialistischen Zeiten mit einfachen Reihen-Holzhütten und
Gemeinschafts-Sanitär-und -Küchen-Räumen hat aber auch Steinhäuser mit Zimmern,
Kantine, Restaurant und Einkaufsmöglichkeit. Wir hatten das Erdgeschoß eines neuen
Blockhauses gemietet mit 2 Schlafräumen, Wohnraum, Dusche+WC und Veranda.
Anatoli und Jelena kommen von Ihrem 3 km entfernten Zeltplatz herüber. Es wird noch eine
lange und feuchte Nacht des Wiedersehens.
Sonntag, den 10.7. Wir sind in einem Ferien-Lager. Das bedeutet in erster Linie lange
schlafen, ausgiebig frühstücken, viel plaudern und auf Iwan warten, der erst gegen 13 Uhr von
seinem Familieurlaub bei Smolensk kommt. Wir haben genügend Zeit, das Kamp, seine
nähere Umgebung und seine Möglichkeiten zu erkunden. Alles was Wald und Garten zu
bieten haben, wird am Vormittag auf langen Tischen von Frauen angeboten. Es ist die Zeit der
Beeren und Pilze. Es gibt also ausreichend zu Essen und zu Trinken.

Dann laden wir die Boote von Saschas Wohnwagen (Olga und Michael fehlen leider), richten
sie für die Fahrt her und diskutieren ausgibig, wie und wo wir die folgende Woche
gemeinsam verbringen wollen.-Gegen 16 Uhr brechen wir mit einigen Booten auf, um die
“Zeltler” zu besuchen. Wir queren unseren See, fahren die schmale und stark verkrautete
Velikaya ein Stück hinauf und gelangen in einen weiteren See. An einer sandigen Bucht ist
ein Falt-Katamaran vertäut und einige Zelte stehen weit voneinander entfernt im Wald,
darunter das Party-Zelt von Sergei und Jelena für schlechtes Wetter. Luft und Wasser sind so
warm, daß wir nach einem erfrischen Bad einen kurzen Segelturn mit Sergeis Katamaran
machen. Tatjana und Oleg haben zusammen mit Jelena und Sergei ein opulentes Mal mit Schaschlik
und Salaten hergerichtet, das einen langen Abend am Lagerfeuer und mit Mücken garantiert.
Bei fortgeschrittener Dunkelheit paddeln wir zurück zum Kamp, das wir bei Nacht erreichen.

Der Paddlerrat hat beschlossen, daß wir heute, Montag, den 11.7. die Boote auf Saschas
Wagen verladen und ein Stück den Fluß hinauf fahren. Laut Karte und GPS quert bei einem
Dorf eine Straße den Fluß mit einer Brücke. Das sollten günstge Voraussetzungen sein für
Anfahrt und Einsetzen. Wir finden ein aufgelassenes und ausgeschlachtetes altes
Wasserkraftwerkchen und am Beginn eines Sees eine gute Stelle für den Start. 
Es ist sonnig und schwühl; ein Gewitter liegt in der Luft. Anatoli und Iwan übernehmen die Navigation,
Sascha hält sich zurück. Nach einigem Suchen finden wir den schmalen Ausfluß, versteckt in
Schilf und Kraut. Ein reizendes kleines Flüßchen schlängelt sich durch den Laubwald mit
dicht bewachsenen Ufern. Das Wasser ist klar und moorig dunkel., voller Wasserpflanzen in
und auf dem Wasser. Nach ca. 5 km erreichen wir wieder einen kleinen See voller weißer
und gelber Seerosen, andere Wasserpflanzen strecken ihre kleinen weißen Blüten durch die
Wasseroberfläche, wie eine weiße Wiese. Auch hier finden wir den Ausfluß erst nach einigen
Versuchen. Die Velikaya fließt jetzt etwas schneller und ständig in engen Kurven.durch
Urwald. Abgschliffene Granitbrocken aus der Eiszeit – Endmoränenlandschaft -ragen nur
selten aus dem Wasser und erfordern eine ständige Beobachtung der unruhigen
Wasseroberfläche. Häufig liegen Bäume und Äste im Fluß. Alle Hindernisse sind jedoch zu
bewältigen ohne Aussteigen, drüber, drunter oder zwischendurch. Nur an einer Stelle mußten
Sascha und Anatoli uns 3 Deutschen durch Treideln helfen, einen verblockten Schwall in
einer Kurve trocken zu überwinden.

Am Heuschober eines fast verlassenen Dörfchens halten wir Rast: 3 Jungstörche klappern im
Nest, die Wiese duftet nach Blumen, Bremsen umschwärmen ihre Opfer, Charlotte jagt
Schmetterlinge mit der Kamera., Dieter badet seinen Photo und macht ihn dadurch zeitweise
unbrauchbar. -Die Velikaya behält ihren lieblichen aber ständige Aufmerksamkeit fordernden
Karakter als Waldfluß noch einige Stunden bei. Die Sonne sinkt langsam, das Gewitter bleibt
aus. Gegen Abend erreichen wir endlich den See mit Sergeis Zeltplatz, den es noch ca. 3 km
zu queren galt..Nach 7 Std im Boot erwartet uns ein vorzügliches Abendessen am Lagerfeuer,
das sich bis nach Mitternacht hinzieht. Sergei bringt uns im Auto zum Kamp während Sascha
im Dunkeln allein zurückpaddelt.
Am 12.7. (Dienstag) früh um 6 Uhr kommt Irina mit dem Zug aus Moskau. Anatoli holt sie
am Zug ab. Jetzt sind wir komplett. Der 9-köpfige Paddlerrat beschließt beim ausgiebigen
Frühstück, noch eine Nacht im Kamp zu bleiben. Sascha, Iwan und Dieter bringen Sachas
Auto zum heutigen Zielplatz an einer kleinen Brücke ca. 15 km unterhalb des Kamps. Alle
helfen Sergei und Jelena beim Abbau und Verladen ihrer umfangreichen Camping-
Ausstattung in Auto und Anhänger. Beide nehmen sich im Kamp eine Hütte. Wir paddeln
unsere in der Nacht am Zeltplatz zurückgelassen Boote zum Kamp zurück, stärken uns dort
noch einmal und brechen am frühen Nachmittag zu Weiterfahrt auf.

Wir unterqueren die am Kamp vorbeiführende M 20 (Minsk – St.Petersburg) und suchen im
folgenden kleinen See wie üblich die Ausfahrt. Unser kleiner Fluß schlängelt sich genauso
malerisch wie gestern durch den Laubwald. Ein Gewitter zieht auf. Als die ersten Tropfen
fallen, holen wir die Regenkleidung heraus und flüchten unter Bäume. Bald läßt der Regen
nach und wir fahren weiter auf den folgenden längeren See hinaus. Dort – ohne Schutz – setzt
das Gewitter erst richtig ein. Bei strömendem Regen schleichen wir am breiten Schilfsaum
entlang und sind bald durchnäßt. Glücklicherweise bleibt die Luft warm, und am Ende des
Sees hört der Regen auf. Als die Sonne durchbricht genießen wir wieder den Reiz dieser
Flußlandschaft. Bald haben wir unsere Brücke erreicht. Ein Holzsteg erleichtert das
Herausnehmen der Boote. Sie bleiben im hohen Gras liegen, während wir alle in Saschas
Auto zurück ins Kamp gebracht werden. Die Sachen werden zum Trocknen aufgehängt. Wir
essen diesmal in der Kantine vom Kamp, denn das Restaurant ist besetzt. Früher als sonst geht
es ins Bett.
Mittwoch (13.7.) die kühle Luft läßt uns länger schlafen. Wir beschließen, ab jetzt zu zelten,
weil die Logistik mit dem Transport sonst schwierig wird. Iwan und Sascha suchen einen
geeigneten Platz in Tagesentfernung.und finden ihn an einem See mit Abfluß in die
Velikaya.Wir packen unsere Sachen und bringen alle Autos zu diesem Platz mitten im
Nadelwald mit Partisanen-Denkmal, Pfifferlingen und Blaubeeren. Nach kräftigem
Mittagsmal fahren wir zu unseren Booten im Kamp und setzen unsere Traumreise fort. Gleich
am Anfang hat Sergei Anglerglück: er fängt vom Boot aus mit Blinker einen großen Hecht
von 1.500 Gramm.
Als wir nach ca 2 Std an die Stelle kommen, wo der Abfluß unseres Zeltplatz-Sees mündet,
trauen wir unseren Augen nicht: es ist nur ein kleiner Bach. Sascha, Iwan und Irina
beschließen, einen Fußweg zum ca. 3 km entfernten Zeltplatz zu suchen und um Saschas Auto
zu holen, während Irina und Iwan das Abendessen vorbereiten. Dieter erkundet die
Umgebung der Landestelle. Bereits nach 1 ½ Std ertönt das verabredete Hupsignal von
einer Furt unseres Baches. Die Boote bleiben auf dem sandigen Steilufer und Sascha bringt
uns in einer abenteuerlichen Fahrt zum Zeltplatz. Ein Bad im See verschafft uns Abkühlung.
Die Zelte sind danach bald aufgeschlagen. Unsere 3 Damen genießen sichtlich die
Möglichkeit aus den mitgebrachten Lebensmitteln und Zutaten ein komfortables Abendessen
zu zaubern; unter anderem mit geschmorten Pfifferlingen und Hecht in Folie. Eine
Jugendgruppe 200 m entfernrt versorgt uns mit Russisch-Disko-Musik und genießt eine
“Banja” (russische Sauna) auf Rädern, die sie sich anfahren ließen..Unser Abend am
Lagerfeuer dauert wieder lange.
Donnerstag (14.7.) Iwan fährt sehr zeitig nach Moskau per Auto, um einen Gerichtstermin
wahrzunehmen. Dieter erkundet bei Sonnenaufgang die Lagerumgebung und findet alte
Partisanenstellungen, Pfifferlinge, Blaubeeren. Die Mücken sind in der Frühe besonders
angriffslustig, sie stechen sofort nach der Landung. Das morgentliche Bad hält sie fern.
Die Zelte sind taunaß, die Jugendgruppe weckt die Langschläfer mit Musik.Wir lassen uns
viel Zeit zum Frühstück mit u.a. Müsli, Buchweizen, Salaten. Gegen Mittag bringt uns Sacha
wieder zu unseren Booten, läd 2 von ihnen auf das Dach und macht sich auf den Weg, eine
passende Aussetzstelle für den Abend zu suchen.
Wir restlichen 7 genießen unseren romantischen Waldfluß. Viele Stromschnellen bringen uns
zügig voran, verlangen aber ständige Konzentration, um nicht zu häufig mit den
abgeschliffenen Steinen zu kollidieren, keiner kentert oder muß aussteigen. Die Sonne schafft
wunderbare Kontraste zwischen Licht und Schatten auf dem glitzernden Wasser und an den
Ufern. Schachtelhalm-Wälder in Miniformat lassen die Kohleentstehung vor Jahrmillionen
erahnen.
Gegenüber einer heiligen Quelle, im Schatten eines großen Findlings, auf der Terrasse eines
noch nicht fertigen Blockhauses machen wir Mittagspause und warten auf unseren Angler. Er
hatte diesmal kein Glück, dafür aber ein Loch in seinem Faltboot. Ein Flicken macht es
wieder schwimmfähig. Die Sonne verhüllt sich langsam mit einem Schleier und mahnt zur
Weiterfahrt. Sascha hatte inzwischen eine geeignete Stelle für den Abend gefunden und
kommt uns mit seinem “Funboot” entgegen. Die Velikaya verläßt jetzt das enge Waldtal.
Der Talgrund weitet sich auf. Der Fluß wird ruhiger hat aber immer noch gute Strömung..
Grasflächen erscheinen an den Ufern, und Sträucher lösen die Bäume ab. Nach 1 ½ Stunden
kommt eine Straßenbrücke in Sicht. Saschas Wohnmobil zeigt das Ende unserer Tagesetappe
an. Wir umfahren vorsichtig die Reste einer alten Holzbrücke und legen unter der moderneren
Stahlbetonbrücke an. Die Boote können wir bei einem alten Bauernhaus in der Nähe lagern.
Es fängt an, leicht zu regnen. Das Auto bringt uns auf einem weiten Umweg zu unserem
Zeltplatz zurück, nachdem wir unterwegs noch unsere Wasserkanister an einer Behelfs-
Leitung gefüllt hatten. Ein großes Tarp ist schnell aufgespannt, um uns vor dem Nieselregen
zu schützen. Auf Holz-und Gasfeuer bereiten wir das Abendessen: Russische Spezialitäten
zum Essen und Trinken aus großen Vorratskisten.
Nach dem Austausch von kleinen Gastgeschenken zog sich das gemütliche Beisammensein
im Feuerschein noch lange in die Nacht hinein.
In der Nacht zum Freitag, den 15.7. regnet es etwas, morgens scheint wieder die Sonne Sie
aktiviert die Mücken und läd zum Sammeln von Pilzen und Blaubeeren ein für das reichliche
und reichhaltige Frühstück. Beim Schwimmen probieren Irina und Jelina erfolgreich Saschas
Miniboot aus. Sergei geht tauchen und kommt mit 7 harpunierten Fischen mittlerer Größe
zurück.
Gegen Mittag übernimmt Sascha wieder unseren Transport zu den Booten und begibt sich auf
die Suche nach einem geeigneten Platz für Auto und Boote zum Ende unserer Tour vor einem
Stausee. Das Wetter ist warm, der Himmel bewölkt: ideales Paddelwetter für die letzte Etappe
am Nachmittag. Der Talgrund ist jetzt etwa 1000 m breit. Der Fluß schlängelt sich in engen
Kurven von einer Geestseite zur anderen. Hinter den flachen, moorigen und schilfigen Ufern
verbergen sich verkrautete Altwasser. Der Wald zieht sich an die Geest-Hänge und -Rücken
zurück.

An einem sandigen Steilufer machen wir Rast. Die Abfälle unserer Vorgänger waren nicht
ordentlich vergraben worden, Tiere hatten sie durchsucht und im Wald verstreut. 2 schwarze
Schlangen fühlten sich von unserer Vesper angezogen, verschwanden aber schnell in
Richtung Wasser, wo sie sich mit Ringelnattern trafen. Sascha kommt uns wieder entgegen
und kündigt eine schwierige Aussetzstelle an: dicht bewachsenes Steilufer war die einzige
Stelle, die er mit dem Wohnmobil erreichen konnte. Nach einer Stunde haben wir sie erreicht.
Eine überraschte Anglerfamilie hatte auch diesen pilzreichen Platz per Auto gefunden.
Sergei und Jelina zerlegen und trocknen ihr Faltboot, alle anderen 5 Kunststoffboote
verzurren wir auf das Dach. Der unbefestigte Waldweg ist so eng und die Äste hängen so
niedrig, daß einige zu Fuß vor dem hochbeladenen Auto hergehen, um es an Engstellen
durchzulotsen und um Äste anzuheben oder abzusägen. Ab der geteerten Straße war der
restliche Weg zu unseren Zelten schon Routine.
Das letzte Abendessen zelebrieren wir mit Fischsuppe, Pilzen und allem, was die großen
Vorratsbehälter noch hergeben. Ein heraufziehendes Gewitter, das uns aber nur streift, kann
die gute Stimmung nicht trüben: der Donner poltert, die jungen Nachbarn genießen die Banja
mit Musik, unsere Damen erholen sich in Regenkleidern am Lagerfeuer und die Männer
versuchen unter dem Tarp mit dem letzten Wodka die Welt zu verbessern.
Samstag (16.7.) In der Nacht regnet es häufig und kräftig. Gegen früh lichten sich die
Wolken. Mit einem Bad im See bei Regen nehmen wir Abschied von dieser schönen Gegend.
Während des ausgiebigen Frühstücks kommt die Sonne durch zum Trocknen der Zelte.
Während wir unser Lager abbauen, das Gepäck reisefertig machen und in den Autos
verstauen (zusammen mit unserem reichlichen Abfall) kommt Iwan aus Moskau und von
seiner Familie zurück. Er packt Charlotte, Werner und Dieter mit all ihrem Gepäck in seinen
Skoda . Gegen Mittag nehmen wir herzlichen Abschied voneinander mit dem Versprechen,
uns im nächsten Jahr in Deutschland wieder zu sehen. Irina fährt mit Sascha, Sergei und
Jelina sowie Anatoli fahren mit ihren eigenen Autos nach Moskau /Obninsk zurück.
Iwans Skoda ächzt unter seiner Last auf dem ausgefahrenen Waldweg, kommt aber gut durch
bis zur Fernstraße M 20..
Iwan möchte uns noch den Stammsitz der Familie von Alexander Puschkin zeigen, der 100
km nördlich in Richtung St.Petersburg liegt, eingebettet in eine hügelige Moränenlandschaft
mit Seen, Wiesen und Wäldern. Angekommen an dieser russischen Pilgerstätte, war der Park
für Fahrzeuge bereits geschlossen. Ein halbstündiger Spaziergang führt uns zum kleinen
Adelssitz aus Holz auf einem Hügel über einem See und mit einem Flüßchen in den Wiesen.
Das ganze Anwesen einschließlich Blockhäusern für Bedienstete, Geräte und Tiere, mit
Blumen-und Obst-Gärten ist sehr gepflegt und gut besucht. Unsere Zeit reichte nicht mehr
für den Besuch des etwas entfernteren Museums und von Puschkins Grab in einem Kloster.
Ohne Abendessen dürfen wir nicht mit dem Zug abreisen. Iwan besteht darauf, trotz Eile
wenigstens in der Kantine von unserem Kamp Alol noch mit ihm zu speisen. 5 Minuten
vor Abfahrt des Zuges um 21 Uhr erreichen wir ihn. Die Schaffnerinnen hieven uns mit dem
vielen Gepäck in den nächstbesten Wagen und helfen uns,. den richtigen Wagon später zu
finden. Für die kommenden 10 Stunden hatten wir ein 4-Bett-Abteil gebucht. Die
hochschwangere Karina leistet uns Gesellschaft. Unsere Betten sind bald hergerichtet und ein
Schlummertrunk schaukelt uns in den etwas unruhigen Schlaf. Lediglich Charlotte besteht
darauf, die ganze Nacht über sitzend zu ruhen.
Am Sonntag, den 17.7. fahren wir pünktlich um 7 Uhr in St.Petersburg ein. Unsere
Schaffnerin hatte uns pünktlich geweckt und mit Tee versorgt. Zum Umkleiden stellt sie uns
ihr Dienstabteil zur Verfügung, weil die Toiletten zu klein sind. Nikolei von “Viking River
Cruises” erwartet uns mit perfektem Englisch auf dem Bahnsteig, organisiert den
Gepäcktransport und bringt uns in unser bereits bekanntes Appartment. Bis Mittag wollen wir
erst einmal ruhen. Wir bestellen ihn für 12 Uhr zu einer Fahrt nach Puschkin (Zarskoje Selo)
mit dem Katharinen-Palast und dem Schloß Pawlowsk in der Nähe. Dort herrscht bei
sonnigem Wetter (mit einem kleinen Schauer) feiertäglicher Publikumsandrang mit längeren
Wartezeiten für den Eintritt. Als Einzelbesucher ohne Führung durchwandern wir die
Prunksäle der liebevoll restaurierten Palastanlage mit dem berühmten Bernsteinzimmer. Im
Cafe stärken wir uns und genießen anschließend die weitläufigen Parkanlagen im
Französischen und Englischen Stil. Der Palast war im Krieg evakuiert und zerstört worden,
von den Deutschen besetzt.
Nikolei hatte inzwischen gewartet und bringt uns jetzt zum Palast von Paul (Sohn Katharina
der Großen) mit dem berühmten Landschaftspark . Die Besichtigung der Räume schenken wir
uns, wir sind zu müde vom Katharinenpalast. Dafür bummeln wir durch den Park, wo gerade
eine Freilicht-Kunstausstellung zu Ende geht und ein Musik-Festival stattfindet.
Wir sind angefüllt mit so vielen Eindrücken! Unser Fahrer bringt uns in die Stadt zurück und
setzt uns an dem Eck-Restaurant ab, das wir vor einer Woche bereits gefunden hatten. Auf
dem Heimweg kaufen wir noch schnell unser Frühstück ein und legen uns müde aber
glücklich zur Ruhe.
Am Montag, den 18.7. steht Nikolei pünktlich um 9 Uhr vor der Tür. Er will uns heute das
200 km entfernte Nowgorod zeigen. 5000 Rubel soll die Ganztagsreise kosten (125 €).
Nach 3 Std haben wir die geschichtsträchtige alte Vikinger-und Hanse-Stadt erreicht. Ein
großer Parkplatz mit Verkaufsbuden und Cafe nimmt unser Auto auf, direkt vor dem
Eingangstor zum Kremel. Dieser ist komplett von einer Mauer umgebenen, eine Burganlage
hoch über dem Ausfluß des Ilmensees. Nach einer Stärkung beginnt die Besichtigung bei
strahlendem Sonnenschein: Jahrtausend-Denkmal, Sophien-Kathedrale, Glockenturm,
Danach überqueren wir auf einer Fußgängerbrücke den Wolchow und gehen hinüber in die
alte Handels-und Wohn-Stadt. Außer der Facade auf der Uferseite des langen Handelshofes
und außer einigen alten Steinkirchen (12.Jhd) ist von der Altstadt nicht viel übrig geblieben.
Blumenreiche Parkanlagen schmücken die Stelle, wo einst die Paläste reicher
Handelsfamilien standen, die ihren Ergeiz hatten, eigene Kirchen zu bauen
Nach einigen kleinen Einkäufen, Kartenschreiben und Einsammeln von Informationsmaterial
fährt uns Nikolei zum Freilichtmuseum für Volksbaukunst “Witoslawlizy” am Ilmensee mit
seiner Sammlung alter Bauernhäuser und vorallem Holzkirchen. Auf dem Gelände stand
früher eines der vielen Klöster rund um den See, z.Zt. wird dort gerade ausgegraben.
Von hier haben wir einen schönen Blick auf das St.Georgs-Kloster in der Nähe, das wir aber
nicht mehr besuchen. Da Charlotte für 20 Uhr in St.Petersburg Plätze in einem georgischen
Restaurant bestellt hatte, machen wir uns bald auf den Weg, um bei dem starken
Rückreiseverkehr rechtzeitig wieder in der Stadt zu sein. Es klappt. Wir haben zu Dritt ein
gutes und gemütliches Abendessen in schöner Umgebung und laufen müde nach Hause.
Dienstag, der 19.7. der Tag der Heimreise. 7 Uhr aufstehen und Sachen packen ! Das
Flugzeug startet um 16 Uhr, das Taxi holt uns um 13 Uhr ab. So bleiben uns noch 3 – 4
Stunden für letzte Erledigungen und Erkundungen Werner und Charlotte zieht es in die Stadt
für Einkäufe, Dieter strebt wieder zum Smolny-Kloster und seine Umgebung im Osten.
Der Weg führt ihn an den Universitäts-Kliniken vorbei mit einer guten Toilette. Das Kloster
an der Newa ist umgeben von alten Verwaltungs-und Universitäts-Gebäuden. Sie sind vorn
schön restauriert, auf den Rückseiten dagegen in schlechtem Zustand..Eine Besichtigung
innen ist leider nicht möglich. Ein aufgelassenes Gefängnis schließt sich an, ein früherer Park
wird zugebaut mit einem Verwaltungs-Zentrum. Am Rande des Taurischen Parkes liegen in
schöner Umgebung die Konsulate von Deutschland und Österreich. In der Markthalle nahe
unseren Appartment tauscht Dieter seine letzten Rubel in Trockenfrüchte ein.
Auf dem vollen Flughafen wird zunächst alles Gepäck durchleuchtet. Beinahe sollte mein
Seesack geöffnet werden. Die Personenkontrolle nebst Handgepäck ist gründlicher mit
Schuhe ausziehen. Im Warteraum spricht Dieter mit 2 sich beklagenden ehemaligen
Kolchosefrauen und tauscht Süßigkeiten aus.
Das Flugzeug nach Stuttgart ist nur zur Hälfte besetzt, so daß ich eine ganze Reihe für mich
habe. Bodensicht ist nur über der Ostsee und an deren Rand gegeben. Die Nehrungen mit
Memel und Königsberg sind gut zu erkennen. Stuttgart erwartet uns mit Nieselregen. Unser
Auto wird vom Service pünktlich vorgefahren, 1 ½ Std. später sind wir in Neckarzimmern,
und nach Rimbach dauert es noch einmal so lange. Eine schöne Reise ist zu Ende!