Paddelfahrt in Russland auf der Velikaya vom 07.-19. Juli 2011

von Werner Glaas

 

Es war unsere neunte deutsch- russische Wanderfahrt, dieses Mal wieder in Russland.

Lange wurde gerätselt, eine Paddelwoche auf südkarelischen Seen mit einem festen Standort...

oder eine Gepäckflussfahrt mit täglich wechselnden Lagerplätzen... 2 „Parteien“ priesen ihre jeweils favorisierte Route an ...

Dann etwa 14 Tage vor dem Start eine salomonische Lösung. ... Die Wahl fiel auf die Velikaya, ein Fluss etwa 550 km südlich von St.Petersburg und etwa 600 km westlich von Moskau, in der Pustoschka Region .

Die Velikaya entspringt im Höhenzug von Baschanizy und mündet nach 430 km in den Peipuss See. Sie ist nur die letzten 40 km schiffbar.

Im oberen Lauf fließt die Velikaya durch mehrere kleine Seen und bietet kurzweilige und auch herausfordernde Wildwasserstrecken ( WW 1 / 2+) , insbesondere für die Mehrzahl der 2erBoot Fahrer.

 

Von der Teilnehmerzahl aus betrachtet war es dieses Mal eine kleinere Gruppe :

Ivan , Sascha, Anatoli, Irina, Serge und Jelina sowie wir, Dieter, Charlotte und Werner.

Die Strecke wurde so aufgeteilt, dass wir mit 2 Lagern auskamen, Sascha übernahm mit seinem Wohnmobil den Grossteil der Transporte, logistisch sehr herausfordernd , da das Kartenmaterial nicht unbedingt für Paddler ausgelegt war und die im Wald versteckten Start- und Landeplätze am Abend meist von Sascha nur per GPS ausgemacht werden konnten.

Doch war dies meist auch nur die halbe Lösung, denn die sehr abenteuerlichen Waldwege wollten durch „Fußtruppen“ von herabhängenden Ästen und zu eng stehenden (kleineren) Bäumen befreit werden, eine Axt und Schrotsäge waren immer mit im Einsatz.

Unsere Reise begann am Donnerstag in Stuttgart mit dem Flug nach St.Petersburg.

Eineinhalb Tage hatten wir Gelegenheit die heimliche Hauptstadt Russlands zu erkunden, bzw. alte Erinnerungen von früheren Besuchen wieder aufzufrischen. Wir durchstreiften die Stadt solange uns die Füße trugen, abends dann eine Flussrundfahrt auf der Newa und Ausklang in einem netten landestypischen Lokal mit wohlschmeckenden Spezialitäten, ansprechend zubereitet für Auge und Gaumen.

Samstag Nachmittag fuhren wir erwartungsvoll mit dem Zug ( Vierer Liegewagenabteil) in Richtung unseres Einsatzortes, - etwa sieben Stunden in südlicher Richtung nach Novosokol´niki........ , wo uns Sascha , Anatoli und Serge abholten und zu unserem ersten Lager, einem Freizeitcamp mit Blockhäusern brachte. So starteten wir in den ersten Tagen vom ersten Standlager aus unsere Tagesetappen , recht komfortabel nur durch Schnaken etwas auf Trab gehalten, was in dieser Jahreszeit inzwischen für uns auch nichts Außergewöhnliches mehr war.

Die Velikaya präsentiert sich als ein reizend kleines Flüsschen, durch Laubwälder schlängelnd, mit dicht bewachsenen Ufern.

Das Wasser ist klar und moorig dunkel, voller Wasserpflanzen in und auf dem Wasser. Etwa alle 3 – 5 km mündet das Flüsschen dann in kleine Seen bedeckt von weißen und gelben Seerosen. Manchmal erscheint die Wasseroberfläche durch Unmengen an hohen dekorativen Schachtelhalmen wie eine Wiese. Selten ist der Auslauf zum nächsten Flussabschnitt sofort erkennbar.

Bald wird die Velikaya urwaldartiger , sie fließt schneller durch viele enge Kurven, abgeschliffene Granitbrocken aus der Eiszeit- Endmoränen Landschaft müssen umfahren werden . Sie ragen kaum aus dem Wasser , oft genug rumpelt es doch ganz schön.

Häufig liegen Bäume und Äste im Fluss. Alle Hindernisse sind jedoch ohne auszusteigen zu bewältigen. Nur an einer Stelle mussten Sascha und Anatoli uns drei Deutschen helfen einen verblockten Schwall in einer Kurve trocken zu überwinden .

Nach etwa 2 Tagen ändert der Fluss seinen Charakter, viele Stromschnellen bringen uns zügig voran, verlangen aber auch ständige Konzentration.

Nach etwa 4 Tagen verlässt die Velikaya das enge Waldtal und mäandriert in einen sich immer weiter öffnenden Talgrund.

Die abwechslungsreichen Tagesetappen wurden gekrönt durch Irinas und Jelinas Kochkünste am offenen Feuer. Selbstgesammelte Pilze und Heidelbeeren sowie Serges erbeutete Hechte und Schleien verfeinerten die abendlichen Mahlzeiten.

Die lange Helligkeit am Abend verlockte zu zahlreichen Trinksprüchen, Anatoli sorgte stets für Nachschub im Glas. ..........

Am Ende unserer gemeinsamen Paddelfahrt führte uns Ivan noch weiter entlang der inzwischen behäbig mäandrierenden Velikaya nach Puskinskiye Gory ( in der Nähe von Pskov) dem ehemaligen Landsitz, des russischen Dichters Puschkin. Ein wirklich angenehmer ausgleichender Ausflug in eine liebliche weite Landschaft nach dieser erlebnisreichen Flusspaddelei durch Urwälder.

In einer sportlich zünftigen Autofahrt im russischen Stil brachte uns Ivan dann zu unserem Nachtzug, den wir buchstäblich in allerletzter Minute noch erreichten.

Dieses Mal fuhr der Zug langsamer, hielt öfter und brachte uns nach 11 stündiger Nachtfahrt im Liegewagenabteil Sonntag morgens um 7.00 Uhr nach St. Petersburg zurück .

Zurück in unserer „Wohnung“ gönnten wir uns noch ein Nach- Entspannen, um dann nachmittags einen Ausflug in die Stadt Puschkin etwa dreißig km südlich von St. Petersburg zu machen. Ziel war der Katharinen- Palast mit dem „neuen“ Bernsteinzimmer sowie der Paslov Palast mit seinem weitläufigen Park.

Am Montag dann konnten wir uns noch einen weiteren Wunsch erfüllen, ein Fremdenführer fuhr uns mit dem PKW in die alte Hansestadt Novgorod, etwa 200 km südlich von St. Petersburg, es wurde eine wunderschöne Tour bei bestem Wetter.

Dienstag Vormittag dann noch ein bisschen Besichtigen und etwas Shopping auf der St. Petersburger Prachtstraße, dem Newski Prospekt . Um 13.00 h brachte uns ein Taxi zum Flughafen. Pünktlicher Abflug, pünktliche Ankunft in Stuttgart.

Ja, leider ..... die 12 Tage vergingen wie im Fluge, doch die schönen Eindrücke bleiben.

und schon freuen wir uns auf die nächste gemeinsame Reise in Deutschland, wo es dann auf den/die ...... geht. Wer fährt mit???

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(Übrigens... Die Velikaya scheint bei den Darmstädtern besonders beliebt zu sein.

Schon 1999 befuhr eine Gruppe Abenteurer vom Jumelage Club

PTZ / FTZ mit St. Petersburger Freunden die Velikaya auf einem

ähnlichen Streckenabschnitt. Dieter hat den im Internet nachlesbaren

Bericht entdeckt ...